Die Geschichte hinter dem UNESCO-Weltkulturerbe
Markgräfliches Opernhaus Bayreuth

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Die Entstehung des Opernhauses zu Bayreuth beginnt wie im Märchen …

Die Geschichte des UNESCO Weltkulturerbe Markgräfliches Opernhaus beginnt wie im Märchen mit einer Prinzessin – der Prinzessin von Preußen. Wilhelmine, Tochter des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I. und Lieblingsschwester des heute weitaus berühmteren Friedrich II., dem musisch veranlagtem Soldatenkönig, der später einer der mächtigsten Männer Europas wurde, wäre gerne Königin von England geworden. So hatte es ihre Mutter beschlossen. Von Kindesbeinen an wurde sie auf dieses Ziel vorbereitet und entsprechend erzogen. Doch es sollte anders kommen.

Statt Königin von England wird aus Wilhelmine eine Markgräfin zu Bayreuth

Preußenkönig Friedrich I. ging als ein besonders hartherziger und rigoroser Vater in die Annalen ein. Ein Erziehungsbeispiel? Weil der Kronprinz Friedrich II. unter dieser väterlichen Kälte besonders litt, wollte er dem Potsdamer Schloss seines Vaters mithilfe seines Freundes Hans Hermann von Katte entfliehen. Die Fluchtpläne flogen auf und Friedrich I. ließ deswegen kurzerhand Herrn von Katte köpfen. Der väterliche Furor machte auch vor seiner Tochter nicht halt, die er liebevoll „die englische Canaille” nannte. Weil er sie der Mitwisserschaft bezichtigte, unterband er ihre Träume vom englischen Thron jäh. Wilhelmine wurde kurzerhand nach Bayreuth mit Erbprinzen Friedrich von Brandenburg-Bayreuth verheiratet. So wurde Wilhelmine nicht zur Königin der Weltmacht England, sondern einfache Markgräfin in der Provinz. Wilhelmine, ganz Frau von stolzem Stand, fügte sich dem väterlichen Befehl, verlangte aber Entschädigung – wie üblich in Form von vielen Dukaten.

Der königliche Bruder und der markgräfliche Ehegemahl kommen für die Kosten auf

Dieses Kompensationsgeschäft, in dem besonders ihr Bruder – inzwischen Friedrich der Große genannt – und ihr Gemahl eine finanzierende Rolle spielten, brachte der provinziellen Markgrafenschaft Bayreuth eine kurzzeitigen, aber umso eindrucksvollere Blüte. Spätestens ab ihrem 24. Geburtstag im Jahr 1735 und dem Geschenk des Landschaftsparks Eremitage in Bayreuth entflammte Wilhelmines musisch getragene Gestaltungsleidenschaft, die man noch heute in Bayreuth bewundern kann und die dem Schöpfergeist eines Richard Wagners, dem weltweit prägenden Inbegriff des Bayreuther Selbstverständnisses, in nichts nachstand. In einem kurzen Zeitraum schuf Wilhelmine Meisterwerke z. B. mit der Park-Gestaltung von Eremitage sowie Sansparail, dem Neuen Schloss und 1748 mit der Eröffnung des Opernhauses, das anlässlich der Hochzeit ihrer Tochter Friederike Sophie von Brandenburg-Bayreuth eingeweiht wurde. Diese kurze Epoche ging als Bayreuther Rokoko in die Geschichte ein.

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Wilhelmine – mehr als nur Markgräfin zu Bayreuth-Brandenburg

Prunkstück des Bayreuther Rokoko ist ohne Zweifel das Markgräfliche Opernhaus, das 1748 von einem der berühmtesten Theaterarchitekten Europas, Giuseppe Galli Bibiena, errichtet wurde. Wilhelmine war bis zu ihrem frühen Tod 1758 Intendantin, dichtete, schrieb Libretti, spielte vorzüglich Laute und Cembaloschrieb und gehört zu den ganz wenigen Komponistinnen dieser Epoche. Die Oper Argenore ist heute noch erhalten.

Internationale Künstler waren Stammgäste des Opernhauses. Italienische Opern wurden zum Standardrepertoire des Hauses. Wilhelmine schuf mehrere Opernlibretti, wurde in die römische Academia dell’Arcadia aufgenommen und schuf mit L’Huomo eine sogenannte Festa Teatrale in Form einer französischen Operndichtung, in der in einem Akt Tanz und Musik dargeboten wurde. Diese wurde ins italienische übersetzt und vom italienischen Komponisten Andrea Bernasconi vertont. Die Uraufführung von L’Huomo im Markgräflichen Opernhaus war überaus pompös ausgestattet und damit eine der teuersten Aufführungen in der wilhelminischen Ära.

Das barocke Juwel strahlt spürbar diese musische Universalbegabung der Markgräfin aus. Architektur, Musik, Literatur, Philosophie und Wissenschaft – all diese Genres lassen sich auch im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth finden. So gesehen ist das Opernhaus ein Wunder – ein Gesamtkunstwerk. Und das lange bevor Richard Wagner diesen universalen Anspruch für sein künstlerisches Schaffen formulierte. Man könnte tatsächlich mutmaßen, ob das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth nicht ein besonders wichtige Rolle dabei spielte, dass sich Richard Wagner letztendlich für Bayreuth entschied, um seinen Opern einen Ort zu geben.

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