Richard Wagner und
das Opernhaus Bayreuth

Wie das Markgräfliche Opernhaus Richard Wagner nach Bayreuth brachte

Es ist belegt, dass Richard Wagner auf seiner Suche nach einem geeigneten Spielstätte für den Ring der Nibelungen, das Markgräfliche Opernhaus in einem Lexikon entdeckte. Dieser Eintrag faszinierte Richard Wagner so sehr, dass der nach Bayreuth reisen wollte, um das Opernhaus zu besichtigen. Ein wichtiger Grund war, dass das Bayreuther Opernhaus zur damaligen Zeit über die größte Bühne aller deutschen Opernhäuser verfügte. Wagner hatte die Hoffnung, hier die geeignete Spielstätte für seinen Ring des Nibelungen zu finden, um seine Idee eines Bühnenfestspiels verwirklichen zu können.

Er kam deshalb im April 1871 nach Bayreuth und besichtigte das historische Barocktheater. Die Größe der Bühne gefiel zwar sehr, aber der eher geringe Platz im Zuschauerraum (für ca. 500 Gäste) entsprach bei weitem nicht seinen Vorstellungen. Durch diesen Besuch lernte er aber Bayreuth kennen und schätzen. Ihm, dem Sachsen der zu dieser Zeit in der Schweiz lebte, gefielen Lage und Größe der Stadt so sehr, sodass er begann, seine Vorstellungen an ein Festspielhaus in dieser Stadt voranzutreiben und konkrete Vorarbeiten für einen Neubau einzuleiten, der heute als weltberühmtes Festspielhaus auf dem Grünem Hügel über Bayreuth thront.

Die Grundsteinlegung des Festspielhauses wurde im Markgräflichen Opernhaus gefeiert

1872, bereits ein Jahr nach seinem Besuch des Opernhauses, konnte die Grundsteinlegung des Festspielhauses am Grünen Hügel gefeiert werden. Richard Wagner wählt für die anschließende Feier das Markgräfliche Opernhaus. Höchstselbst dirigierte er an diesem Abend den von ihm komponierten ‚Kaisermarsch‘, ein patriotischer Marsch in B-Dur, den er anlässlich der Gründung des Deutschen Reichs am Januar 1871 geschrieben hatte.

Danach stand Beethovens 9. Symphonie auf dem Programm. Sehr passend, den der darin enthaltenen Ode „der Freude schöner Götterfunken“ beschrieb die Gefühlslage des an diesem Abend zahlreich erschienen Festpublikums sicherlich am besten. Für dieses Konzert nutzte Richard Wagner bewusst die extragroße Bühne des Hauses. Es wurde berichtet, dass über hundert Musikern und Sänger die Bühne bevölkerten. Auch Richard Wagners Ehefrau Cosima mit den 5 Kindern saßen während der Festveranstaltung nicht im Zuschauerraum sondern ebenfalls auf der Bühne.

Das Markgräfliche Opernhaus und Richard Wagner – eine befruchtende Beziehung

Immer wieder besuchte die Familie Wagner das Opernhaus oder nutzte es für familiäre Festivitäten. So ist überliefert, dass Richard Wagner seinen Geburtstag im Jahr 1873 ebenfalls hier beging. Seine Frau Cosima, Tochter von Franz Liszt, organisierte 1875 ebenfalls im Opernhaus ein großes Orchesterkonzert zu Ehren ihres Vaters, der kurz zuvor nach Bayreuth zu seiner Tochter zurückgekehrt war.

Dank dieser beiden Häuser, dem Festspielhaus auf dem Grünen Hügel und dem UNESCO-Weltkulturerbe Markgräfliches Opernhaus verfügt Bayreuth heute über zwei Konzertstätten von Weltrang. Das letzte in Europa im Originalzustand erhaltene Barocktheater hat mit Sicherheit und bewiesenermaßen einen besonderen Beitrag dazu geleistet, dass Richard Wagner aus dem Provinzstädtchen Bayreuth einen Ort der Weltkultur von internationalem Rang gemacht hat. Und das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth wird dazu beitragen, den Ruf der Stadt weiter zu etablieren.